Was ist Estrich? Arten, Eigenschaften und woran man sie erkennt

Wer baut, saniert oder eine Immobilie kauft, stößt früher oder später auf die Frage: Was ist Estrich eigentlich – und welche Arten gibt es?

Estrich ist ein zement- oder bindemittelgebundener Baustoff, der als tragende und ausgleichende Schicht auf dem Rohboden eingebaut wird. Er bildet die Grundlage für spätere Bodenbeläge wie Parkett, Fliesen, Vinyl oder Teppich. Ohne Estrich gäbe es keinen ebenen, belastbaren Untergrund.

In der klassischen Zusammensetzung besteht Estrich aus einem Bindemittel (z. B. Zement oder Calciumsulfat), Wasser sowie Zuschlagstoffen wie Sand oder Kies. Je nach Estrichart kommen weitere Zusatzstoffe zum Einsatz, die Eigenschaften wie Festigkeit, Elastizität oder Trocknungszeit beeinflussen.

Die übliche Dicke liegt zwischen 4 und 10 Zentimetern. Im Wohnungsbau beträgt die Standarddicke heute meist rund 6 Zentimeter. Estrich wird in flüssiger oder plastischer Form eingebracht, verteilt und geglättet. Nach dem Aushärten entsteht eine feste, belastbare Fläche.

Doch Estrich ist nicht gleich Estrich. Die Unterschiede sind entscheidend – besonders bei Feuchtigkeit, Fußbodenheizung oder Sanierungen.

Welche Estrich Arten gibt es?

Zementestrich (CT / CTF)

Der Zementestrich ist die am häufigsten verbaute Estrichart im Wohnungsbau. Er besteht aus Zement, Sand und Wasser und gilt als robust, belastbar und feuchtigkeitsunempfindlich.

Allerdings neigt er bei falscher Verarbeitung oder schneller Austrocknung zu Rissbildung, da er vergleichsweise spröde ist. Seine Trocknungszeit ist relativ lang. Vor dem Verlegen eines Bodenbelags ist zwingend eine CM-Messung zur Bestimmung der Restfeuchte erforderlich.

Woran erkennt man Zementestrich?
Typisch ist seine graue bis dunkelgraue Farbe. Die Oberfläche wirkt eher rau und sandig. An einer Bruchkante sind die groben Zuschläge deutlich sichtbar. In Kellern, Garagen und klassischen Wohnräumen ist er besonders häufig anzutreffen.

Calciumsulfatestrich (CA / CAF) – auch Anhydritestrich

Calciumsulfatestrich besteht aus Sand, Wasser und Calciumsulfat als Bindemittel. Er ist elastischer als Zementestrich und daher besonders gut für Fußbodenheizungen geeignet, da er Temperaturspannungen besser aufnimmt.

Seine Schwäche liegt in der Feuchteempfindlichkeit. Dauerhafte Nässe kann zu Schäden führen, weshalb er in Nassräumen nur mit entsprechender Abdichtung eingesetzt werden sollte.

Auch hier ist vor dem Belegen eine CM-Messung vorgeschrieben.

Woran erkennt man Calciumsulfatestrich?
Er ist meist heller als Zementestrich – oft hellgrau oder leicht beige. Die Oberfläche wirkt feiner und homogener. Die Bruchkante erscheint weniger grobkörnig. Bei Feuchtigkeit kann er dunkler werden oder oberflächlich aufweichen.

Kunstharzestrich

Kunstharzestrich besteht aus speziellen Harzen und mineralischen Zuschlägen. Er zeichnet sich durch hohe Flexibilität, extreme Belastbarkeit und sehr kurze Aushärtungszeiten aus.

Im Vergleich zu mineralischen Estrichen ist er deutlich teurer und wird daher meist im Gewerbe oder in Industrieflächen eingesetzt. Eine Restfeuchtemessung ist hier in der Regel nicht erforderlich, da kein klassischer Trocknungsprozess wie bei zementgebundenen Estrichen stattfindet.

Woran erkennt man Kunstharzestrich?
Er wirkt sehr dicht, glatt und teilweise leicht glänzend. Die Farbgebung kann variieren. Oft erinnert die Oberfläche eher an eine Beschichtung als an einen klassischen Estrich.

Gussasphaltestrich

Gussasphaltestrich ist ein bitumengebundener Estrich, bestehend aus Bitumen, Sand, Splitt und Gesteinsmehl. Er wird heiß eingebracht und ist nach dem Abkühlen schnell belastbar.

Er ist wasserdicht, fugenfrei und hohlraumfrei herstellbar. Aufgrund seiner dauerelastischen Eigenschaften kann er sich jedoch bei punktuellen Dauerlasten leicht verformen. Zudem ist die spätere Sanierung oft aufwendiger, da für Klebearbeiten eine aufgeraute Oberfläche notwendig ist.

Woran erkennt man Gussasphaltestrich?
Seine tiefschwarze bis dunkelbraune Farbe unterscheidet ihn klar von mineralischen Estrichen. Zudem kann ein leichter bituminöser Geruch wahrnehmbar sein.

Trockenestrich

Trockenestrich besteht aus vorgefertigten Plattenelementen und wird auch als Fertigteilestrich bezeichnet. Er enthält kein Anmachwasser und benötigt daher keine Trocknungszeit.

Er wird häufig bei Altbausanierungen eingesetzt, wenn Gewicht reduziert oder Bauzeit verkürzt werden soll. Allerdings ist seine Tragfähigkeit geringer als bei klassischen Estrichen, und die Schallübertragung kann höher sein.

Woran erkennt man Trockenestrich?
Meist sind Plattenstöße sichtbar. Beim Klopfen kann ein leicht hohler Klang entstehen. Es fehlen typische mineralische Bruchkanten.

Warum ist die richtige Estrichart so wichtig?

Die Estrichart beeinflusst:

  • Trocknungsdauer
  • Restfeuchtewerte
  • Eignung für Fußbodenheizung
  • Feuchtebeständigkeit
  • Tragfähigkeit
  • Wahl des Bodenbelags

Wird die Estrichart falsch eingeschätzt, kann das zu Ablösungen von Parkett, Rissbildung, Schimmel oder erheblichen Sanierungskosten führen.

Gerade beim Immobilienkauf oder vor der Neuverlegung eines Bodenbelags ist es sinnvoll zu prüfen, welcher Estrich verbaut wurde und ob er fachgerecht getrocknet ist.

Fazit: Estrich Arten

Estrich ist weit mehr als nur eine graue Schicht unter dem Bodenbelag. Er bildet die technische Grundlage für die gesamte Bodenqualität. Je nach Zusammensetzung unterscheiden sich die Eigenschaften erheblich.

Wer weiß, woran man die einzelnen Estricharten erkennt, kann Schäden vermeiden und Baufehler frühzeitig identifizieren. Genau dieses Wissen macht den Unterschied zwischen einer funktionierenden Konstruktion und teuren Folgeschäden.

Du interessierst dich für die Trocknungszeiten von verschiedenen Estrichen? Hier erfährst du mehr!

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