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Baurecht und Landesbauordnung: Diese Vorschriften musst du beim Hausbau beachten

Baurecht und Landesbauordnung: Diese Vorschriften musst du beim Hausbau beachten

Wer ein Haus bauen oder umbauen möchte, kommt am Baurecht nicht vorbei. Spätestens in der Planungsphase stellt sich für Bauherren und Bauherrinnen die Frage: Was ist erlaubt, was genehmigungspflichtig – und welche Gesetze gelten überhaupt?
Zentrale Rolle spielen dabei das Baurecht, die Landesbauordnung beim Hausbau (LBO) des jeweiligen Bundeslands und der Bebauungsplan der Kommune.

Da Begriffe wie öffentliches Baurecht, private Bauverträge oder Landesbauordnung für viele zunächst verwirrend sind, bringt dieser Artikel Klarheit und zeigt dir Schritt für Schritt, worauf du achten musst.

Exkurs: Was bedeutet Baurecht eigentlich?

Das Baurecht ist ein umfangreiches Rechtsgebiet und gliedert sich in zwei zentrale Bereiche:

Privates Baurecht

Das private Baurecht ist Teil des Zivilrechts und orientiert sich überwiegend am Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB). Es regelt unter anderem:

  • Bau- und Werkverträge
  • Haftungsfragen
  • Gewährleistung und Mängelrechte
  • Nachbarrecht

Kurz gesagt: Hier geht es um die Rechtsbeziehungen zwischen den am Bau Beteiligten.

Öffentliches Baurecht

Das öffentliche Baurecht ist Teil des öffentlichen Rechts und bestimmt:

  • wowie und was gebaut werden darf
  • die Zulässigkeit von Bauvorhaben
  • Art und Maß der baulichen Nutzung

Es unterteilt sich in:

  • Bauplanungsrecht (z. B. Baugesetzbuch, §§ 30 ff. BauGB)
  • Bauordnungsrecht (Landesbauordnungen)

Die Rolle der Landesbauordnung beim Hausbau (LBO)

Die Vorschriften des öffentlichen Baurechts werden auf Landesebene durch die jeweilige Landesbauordnung konkret umgesetzt.
Da das Baurecht Ländersache ist, gibt es 16 unterschiedliche Landesbauordnungen, die sich zwar ähneln, im Detail aber teils deutlich unterscheiden.

Ziele der Landesbauordnungen

Die Landesbauordnungen verfolgen mehrere zentrale Ziele:

  • Schutz von Leben und Gesundheit
  • Vermeidung von Gefahren und Schäden
  • Sicherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung
  • Regelung von Erschließung, Abständen und Baustellensicherheit
  • Festlegung der Genehmigungsverfahren

Zusätzlich können Kommunen die Landesbauordnung durch örtliche Satzungen und Erlasse ergänzen.

Musterbauordnung: Die gemeinsame Grundlage

Die Musterbauordnung (MBO) wurde erstmals 2002 von der Bauministerkonferenz beschlossen und zuletzt 2008 überarbeitet.
Sie dient als Orientierungsrahmen für die Bundesländer bei der Ausarbeitung ihrer Landesbauordnungen.

Deshalb sind die Landesbauordnungen in ihrer Struktur ähnlich, weichen aber bei:

  • Abstandsflächen
  • Genehmigungsfreistellungen
  • Detailregelungen
    teilweise deutlich voneinander ab.

Was steht in der Landesbauordnung beim Hausbau?

Die Landesbauordnung regelt nahezu alle baulichen Anforderungen an Grundstücke und Gebäude, darunter:

  • Erschließung von Grundstücken
  • Bebauung und Nutzung
  • Zugänge und Zufahrten
  • Abstandsflächen
  • Brandschutz
  • Barrierefreiheit
  • Rettungswege
  • Feuerungs- und Lüftungsanlagen
  • Dächer, Decken und tragende Bauteile
  • Baustellensicherheit

Allein die Landesbauordnung NRW umfasst rund 90 Paragrafen.

Abstandsflächen und Grenzabstände

Ein besonders relevantes Thema sind die Abstandsflächen.
Sie dienen:

  • dem Brandschutz
  • der ausreichenden Belichtung
  • dem nachbarschaftlichen Frieden

In der Regel gilt:
Mindestens 3 Meter Abstand zum Nachbargrundstück – abhängig von Gebäudehöhe und Landesrecht.

Zugänge und Zufahrten – wichtig für Rettungskräfte

Die Landesbauordnung regelt auch sogenannte Feuerwehrzufahrten.
Diese müssen:

  • von öffentlichen Verkehrsflächen erreichbar sein
  • ausreichend befestigt sein
  • dauerhaft freigehalten und gekennzeichnet werden

So wird sichergestellt, dass Einsatzfahrzeuge im Notfall ungehindert zum Gebäude gelangen.

Bauprodukte und Baustoffe in der Landesbauordnung beim Hausbau

Auch Anforderungen an Bauprodukte sind in der LBO geregelt, insbesondere im Hinblick auf:

  • Brandschutz
  • Standsicherheit
  • Dauerhaftigkeit

Empfohlen sind geprüfte Produkte mit:

  • Ü-Zeichen
  • CE-Kennzeichnung

Baustellensicherheit: Pflicht der Bauherren

Bauherren und Bauherrinnen tragen Verantwortung für die Sicherheit auf der Baustelle.
Die Landesbauordnung schreibt vor, dass Baustellen so eingerichtet sein müssen, dass:

  • Arbeiten sicher ausgeführt werden können
  • Dritte nicht gefährdet werden
  • Warnhinweise und Absperrungen vorhanden sind

Genehmigungen und Bauantrag in der Landesbauordnung beim Hausbau

Nicht jedes Bauvorhaben ist genehmigungspflichtig – aber viele sind es.
Die Landesbauordnung regelt:

  • welche Gebäude genehmigungspflichtig sind
  • wann Genehmigungsfreiheit besteht
  • welche Unterlagen einzureichen sind

Aufgaben können an Architekten oder Bauingenieure übertragen werden, die Verantwortung bleibt jedoch beim Bauherrn.

Pflichten von Bauherren laut Landesbauordnung beim Hausbau

In den meisten LBOs gibt es eigene Paragrafen zu den Pflichten von Bauherren, darunter:

  • Auswahl geeigneter Fachfirmen
  • rechtzeitige Antragstellung
  • Sicherstellung eines ordnungsgemäßen Bauablaufs
  • Überwachung delegierter Aufgaben

Landesbauordnungen der Bundesländer (Übersicht)

Bebauungsplan: Unbedingt prüfen!

Der Bebauungsplan wird von der jeweiligen Kommune auf Grundlage der Landesbauordnung erstellt.
Er enthält verbindliche Vorgaben zu:

  • Bauweise und Gebäudeform
  • Dachformen und Fassadengestaltung
  • Stellplätzen
  • Abweichenden Abstandsflächen

Der Bebauungsplan ist immer verbindlicher als allgemeine Regelungen der LBO.

Fazit: Landesbauordnung beim Hausbau

Wer bauen möchte, sollte sich frühzeitig mit Baurecht, Landesbauordnung und Bebauungsplan beschäftigen.
Das spart nicht nur Zeit und Kosten, sondern schützt auch vor rechtlichen Problemen, Baustopps oder Rückbauverfügungen.

FAQ: Landesbauordnung beim Hausbau

Was ist der Unterschied zwischen Baurecht und Landesbauordnung?

Das Baurecht ist der Oberbegriff und umfasst öffentliches und privates Baurecht. Die Landesbauordnung ist Teil des öffentlichen Baurechts und regelt konkrete Anforderungen an Gebäude und Grundstücke.

Gilt in jedem Bundesland dieselbe Landesbauordnung?

Nein. Jedes Bundesland hat eine eigene Landesbauordnung. Diese orientieren sich zwar an der Musterbauordnung, unterscheiden sich aber im Detail deutlich.

Was regelt die Landesbauordnung konkret?

Die Landesbauordnung enthält Vorgaben zu Abstandsflächen, Brandschutz, Gebäudesicherheit, Baustellensicherheit, Genehmigungsverfahren und technischen Mindestanforderungen.

Was ist wichtiger: Landesbauordnung oder Bebauungsplan?

Der Bebauungsplan ist verbindlicher. Er kann Regelungen der Landesbauordnung konkretisieren oder verschärfen.

Wer ist für die Einhaltung der Landesbauordnung verantwortlich?

Der Bauherr. Auch wenn Aufgaben an Architekten oder Bauleiter delegiert werden, bleibt die rechtliche Verantwortung beim Bauherrn.

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